Als eure Eltern jung waren, sagten sie  wenn´s gut geht gerade mal „cool“. „Geil“ wurde da noch lange nichts befunden, außer wenn das Essen zu fettig war und was ein Swag ist, konnten sie noch nicht einmal erahnen. Leute die „Swag“ erfunden haben, sind  höchstens 1995 geboren. Also quasi vorgestern. Aber auch  diese sagen Swag nicht mehr. Jedes Wort hat ein Ablaufdatum. 

Das Jugendwort 2013 ist also “Babo” gewesen.Gewonnen hat es gegen “fame”, “gediegen” und “in your face”. Wenn man sich letztes Jahr durch Facebook klickte, fand man besonders oft eines: das Jugendwort 2012 „yolo“ aka „you only live once“. Heute hat es fast schon einen ambigen Kultstatus.

Meist tritt „yolo“ (aus Sicht eines 10 Jahre zu alten Redakteurs) im Zusammenhang mit einem Foto einer gerade mal 16 – jährigen, langhaarigen Schönheit auf, die ein schräges Victory Zeichen vor ihrem Gesicht hält, sich mit dem Handy von links oben im Spiegel fotografiert und zu allem Überfluss noch ein Duckface im Gesicht zieht.

  Hä?  

Verstehen kann das nur ein Jugendlicher. Kein Erwachsener findet je wieder zurück  in diesen Schoß der Jugendsprache und wenn er es versucht, endet das meist im Übergriffigen, Unpassenden.

Selbst ältere Generationen haben sich damals furchtbar geschämt als Gesundheitsministerin Maria Rauch-Kallat im Jahr 2004 ankündigte, dass der neue Gesundheitspass „mega-affen-titten-geil sein“ werde.  Das fühlt sich fast so an, als würde einem der Hausarzt sagen, dass das Blutbild geil sei (affentitten).

Manche „Funktionen“ der Erwachsenen erlauben in keiner Weise solch ein Vokabular – und ab einem gewissen Alter hat man einfach kein Visum mehr, im ewigen Land der Jugend.

 Woher?  

Aber woher kommen Jugendsprachen eigentlich? Und gibt es „eine“ Jugendsprache oder gar  grundlegende Regeln, an die sich jede Jugendsprache halten muss? Eine allgemein gültige Antwort gibt es natürlich nicht. Aber etliche Wissenschaftler beschäftigen sich seit Jahren mit dem Phänomen der Jugendsprache und deren Merkmale.

Laut Sprachwissenschaftlerin Marlies Nowottnick beeinflussen sich beispielsweise Mediensprache und Jugendsprache enorm. Neue technische Entwicklungen, Serien („Legend..wait for it…dary“), Stars  und vor allem Musik prägen den Wortschatz der Generationen maßgeblich. Auch “Babo” mischte sich erst durch den Rapper Haftbefehl unter das jugendliche Volk als er meinte “Chabos wissen wer der Babo ist”.

Aber auch Einflüsse von Migrantenkulturen bestimmen das Sprachbild enorm und formen eigenständige Ethnolekte. So befinden sich das türkische Wort für „Alter“ („Lan“) und das arabische „Yalla“ (das so viel heißt wie „los geht’s”) in Bezirken Wiens genauso in aller Munde wie der Evergreen „oida“.

  Geschichte…

Im Grunde gab es Jugendsprache immer schon. Neologismen (Wortneuschöpfungen wie „yolo“) gehörten genauso dazu, wie eine inhaltliche Neubesetzung eines Ausdrucks (“Opfer”/ “der is oam” ). All das gab es 1900 auch schon. Nur sagte man damals „backfischen“ für anmachen und „Nymphe“ zu einer schönen Frau.

Und warum? Um sich von der älteren Generation abzugrenzen entwickelt sich ständig ein neues Vokabular. Darum mögen wir es auch nicht, wenn unsere Eltern „geil“ sagen oder Frau Rauch –  Kallat die  Gesundheitspass – Rede verhunzt.

  Zwischensprache…

Der Grund dafür liegt auf der Hand. Kinder haben eine spezielle Art zu sprechen und Erwachsene auch. Was macht man also in der Phase dazwischen? Eben, etwas Eigenes. Es geht um Identität und ein eigenes Sprachbild,  welches wiederum von den Opinion Leader der jeweiligen Generation geprägt, aber individuell erweitert und verändert werden kann.

Die verschiedenen Jugenddialekte variieren ja nicht nur von Stadt zu Stadt – sondern eher von Klasse zu Klasse. Voraussetzung für einen Jugendjargon ist einzig und allein eine geschlossene Gruppe an Freunden.

  Verkümmerung?  

Manche Wissenschaftler befürchten eine Verkümmerung der Sprache, da durch Einflüsse wie Facebook, sms und Twitter die Sprache oft auf Phrasen, Akronyme (lol, yolo, rofl) oder Einsilber reduziert wird. Ironie und Sarkasmus lassen sich durch Emoticons ausdrücken und irgendwann werden wir wahrscheinlich auch Bücher mit Hashtags schreiben. Oder nicht?

Trotz dieser Aussichten herrscht die Meinung vor, dass die Standardsprache dennoch  nicht darunter leidet. In Politik und Medien bzw. der Schule spricht und lehrt man ja weiterhin  den Standard, das ändert sich auch nicht so schnell. Eher existieren diese beiden Sprachen in Zukunft parallel nebeneinander, als Zweitsprache sozusagen.

  Schnelllebig…

Jugendsprachen zeichnen sich  vor allem durch  eins aus: sie sind schnelllebig und willkürlich. Kein „Jugendwörterbuch“ der Welt schafft es, mit dem Tempo der Neologismen (Wortneuschöpfungen) und Phrasen mitzuhalten.

Sobald das Buch gedruckt auf den Tresen liegt, sind die meisten Wörter auch schon wieder längst verjährt. Selbst „Babo” hat heute schon einen negativen Beigeschmack, ganz zu schweigen von „leider geil“ oder „yolo“.

Demnach kann man Jugendsprache auch mit Modetrends vergleichen. Sie kommen und gehen, prägen den Look der nächsten Generationen und haben oft eine beschämende Vergangenheit. Demnach entspricht „Bam, Oida“ zu sagen wahrscheinlich den Schlaghosen von der 90er.  Oder Tamagotchies.

Quelle:

1: Der Standard: So spricht Österreich, 12. August. 2012; http://derstandard.at/1345164439262/Ich-weiss-wo-dein-Haus-wohnt

2: Jugend, Sprache und Medien: Untersuchungen von Rundfunksendungen für Jugendliche ( Marlies Nowottnick)