Zuviel Zucker macht dick und obendrauf die Zähne kaputt, das haben die meisten schon in der Volksschule gelernt. Was aber viele nicht wissen: Worin sich der gemeine Zucker überall versteckt – und dass „gesunder Zucker“ ein Mythos ist.

 

Dass Cola zu den ungesündesten Getränken dieser Erde gehört, sollte sich eigentlich mittlerweile herumgesprochen haben – ein Glas Cola (250 ml) entspricht etwa zehn Stücken Würfelzucker! Aber auch andere Getränke schneiden kein bisschen besser ab: Eine Dose Red Bull (250 ml) etwa enthält ebenfalls rund zehn Stück Würfelzucker. Ein Glas Orangensaft (250 ml) zumindest „nur“ rund sechs Stück Würfelzucker. Na wenn das kein Trost ist.

 

 Volksdroge Zucker

Bereits 1972 beschrieb der britische Physiologe und Ernährungswissenschaftler John Yudkin in seinem gleichnamigen Buch Zucker als „rein, weiß und tödlich“. Aus heutiger Sicht hätte er nicht mehr Recht haben können. Zucker macht nicht nur dick sondern auch krank – und zwar in mehr als einer Hinsicht: Zuviel Zucker verursacht Karies, Diabetes Typ 2 (die Zuckerkrankheit, die durch Übergewicht begünstigt) und kann die Stimmung negativ beeinflussen (Aggressionen / Depressionen).

 

Klar, das Entscheidende an dieser Aussage ist: „Zu viel“ – doch wer nun glaubt es reiche, einfach den Zucker aus dem Kaffee oder Tee zu lassen, der irrt leider gewaltig. Das große Problem mit dem „zu viel Zucker“ besteht nämlich darin, dass es heutzutage kaum noch Produkte gibt, die keinen Zucker enthalten. Egal ob Ketchup, Fertiggerichte, Brot, Früchtejoghurt oder das Frühstücksmüsli – überall findet sich Zucker und zwar nicht zu knapp.

 

 Die Zuckerlüge

Zucker findet man doch nur in „süßem“ Essen oder? Falsch! Eine Flasche Ketchup (750ml) zum Beispiel enthält umgerechnet etwa 61 (!!!) Stück Würfelzucker. Der Zuckergehalt einer Tiefkühlpizza entspricht circa acht bis zehn Stück Würfelzucker. Fertigsalatdressings bestehen zu gut 20 Prozent aus Zucker, ebenso wie sämtliche Fertigsaucen. Eine weitere Essenslüge: Wenn auf der Verpackung nicht Zucker steht, dann ist auch keiner drin.

 

Würde Nestlé zum Beispiel auf die 375 Gramm-Packung der „Fitness Fruits“ schreiben: Enthält 109 Gramm Zucker (!!!) dann dürfte das sicher einige Leute abschrecken. Stattdessen greift die Lebensmittelindustrie zu geschickten Tricks, um den wahren Zuckergehalt zu verschleiern. So schreibt man nicht „Zucker“ auf die Verpackung sondern nimmt Bezeichnungen wie Fruktose (Fruchtzucker), Glukose (Traubenzucker), Laktose (Milchzucker) und so weiter. Grundsätzlich gilt: Bei jedem Inhaltsstoff, der auf „-ose“ endet, handelt es sich um eine Zuckerart.

 

 Nährstofftabelle lesen

Der einfachste Weg, um festzustellen, wie viel Zucker das Produkt denn nun tatsächlich enthält: Die Nährstofftabelle auf der Produktverpackung lesen. Zucker sind Kohlenhydrate. Die ausgewiesene Menge der Kohlenhydrate auf der Nährstofftabelle entspricht dem Zuckergehalt des Produktes – und zwar pro 100 Gramm und nicht pro Verpackungseinheit. Manchmal steht bei den Kohlenhydraten auch explizit der Verweis „davon Zucker“. Schaut euch ruhig mal die Verpackung eures Frühstücksmüslis, der Orangensaft-Kartons oder der Milchschnitte an.

 

 Fruktose versus Glukose

Gemeinhin heißt es, dieser Fruchtzucker (Fruktose) wäre gesünder als der raffinierte Zucker (Saccharose) aus der Packung. Bei Fruktose handelt es sich um einen Einfachzucker, der natürlicherweise in allen Obst- und Gemüsesorten, sowie Honig vorkommt. Handelsüblicher Haushaltszucker besteht dagegen je zur Hälfte aus miteinander verbundenen Fruktose- und Glukosemolekülen. Unser Körper verarbeitet Fruktose anders als den Haushaltszucker – so provoziert Fruchtzucker keine Veränderung des Insulin-Levels. Heißhungerattacken bleiben also aus.

 

Der entscheidende Vorteil von Obst und Gemüse: Neben der Fruktose enthalten sie auch eine Menge Vitamine und Ballaststoffe. Haushaltszucker dagegen nur Kalorien. Leider greift aber auch Fruktose genauso gnadenlos unsere Zähne an wie jede andere Zuckerart.

 Zuckerersatz?

Was also tun, wenn man dem Zuckerwahnsinn der Lebensmittelindustrie entgehen will? Nun, zunächst mal das Offensichtlichste: Finger weg von Fertigprodukten, Soft- und Energiedrinks, Fertigsäften, Fertigmüslis und Süßigkeiten. Eine Alternative sind auch Zuckeraustauschstoffe wie etwa Xylith und Stevia. Xylith etwa greift die Zähne nicht an, im Gegenteil. Stevia dagegen hat – sofern es biologisch aus den Stevia-Blättern gewonnen wird, so gut wie keine Kalorien. Wer nicht auf Schokolade und Co. verzichten will, sollte sich zumindest beim Rest zurückhalten.